Archiv für November 2009

Teil III Persönliche Gedanken zum Auswandern…. von Martina Yaman

30 November 2009

Nachdem nun das „Theoretische“ abgehandelt ist, möchte ich noch ein paar Worte zur „Praxis“ des Auswanderns – insbesondere in die Türkei – verlieren….

In Alanya haben ca. 6.200 Deutsche ein „Tapu“ sprich eine Urkunde über Grundbesitz. Der allergrösste Teil davon wird als Ferienwohnung genutzt, aber ein kleiner Teil wird auch ständig bewohnt. Derzeit leben ca. 1500 Deutsche mit einer Aufenthaltserlaubnis in Alanya – der grösste Teil Rentner. Ob es eine Eigenheit von Alanya ist, dass sich in jedem Stammgast irgendwann einmal der Gedanke festzusetzen scheint, dass er in Alanya auch mal längere Zeit verbringen möchte oder gar alle Brücken hinter sich abbrechen will, um für immer hier zu leben? Ich weiss es nicht….

Grundsätzlich gilt: ein solcher mehrmonatiger oder noch längerer Aufenthalt braucht mehr Vorbereitung als ein „normaler“ Urlaub… zuerst sollte man genau wissen, warum man geht:

Wenn man geht, weil das Leben in Deutschland nicht klappt und zu schwierig gegenüber dem scheinbar lässigen Leben im Süden zu sein scheint, lasse man die Finger davon: die Probleme, vor denen man flüchtete, warten am Ziel schon auf einen. Wer in Deutschland nicht vorwärts kommt, wird es im Ausland erst recht nicht schaffen! In der Türkei ist das Leben nicht leichter, sondern härter, es sei denn, man bezieht Geld aus Deutschland (Rente etc.). Weitaus mehr als in Deutschland ist man auf verwandtschaftliche Beziehungen, auf ein weites Netz aus Verpflichtungen und Abhängigkeiten angewiesen, da das soziale Netz vollkommen fehlt. In den Städten und Touristenzentren funktioniert auch dieses „urtürkische“ System der gegenseitigen Hilfe oft nur noch mehr recht als schlecht. Wer bei null anfangen muss, dem wird in den seltensten Fällen Hilfe ohne die Erwartung von Gegenleistungen oder ohne Hintergedanken angeboten.

Darüber sollte mach sich im klaren sein, wenn man auswandern möchte. Das Leben in Alanya hat viele Gesichter – und einige davon sind nicht sehr freundlich….

In jedem Paradies gibt es Schlangen – nehmen Sie keine von zuhause mit….

Wenn man „der Liebe wegen“ geht, muss man sich fragen, ob die Liebe es wert und stark genug ist, alles Bekannte und Vertraute aufzugeben und ein neues Leben zu beginnen, in dem man zumindest die erste Zeit entweder finanziell oder gesellschaftlich (oder beides) vom Partner abhängig ist. Hält die Liebe den Frust, das Heimweh und die Einsamkeit aus, die zwangsläufig kommen? Das kann man leider nicht vorab mit ja oder nein beantworten – das muss die Zeit zeigen. Gerade in Alanya ist für romantische Träume vom Leben im Süden mit dem Liebsten wenig Platz… viele Frauen leiden unter der Einsamkeit in einem fremden Land, weil sie feststellen, dass der Partner durchaus sein eigenes Leben weiterlebt, während man selbst alles Vertraute aufgegeben hat… wer da nicht stark ist und viele innere Reserven hat, wird daran zerbrechen. Oft ist es aber auch die einzige Chance, das „wahre ich“ des Partners kennenzulernen – und diese Erkenntnis ist nicht immer leicht…
Wenn man geht, weil die Abenteuerlust treibt, die Neugier auf Neues und die Sehnsucht nach einem anderen Leben – und wenn man es gut und nüchtern vorbereitet – dann, und nur dann kann es gutgehen!

Bie mir war es die Liebe und das Abenteuer, das mich nach Alanya gezogen hat, und auch bei mir folgte der anfänglichen Euphorie die Ernüchterung. insbesondere mein Ausflug in das türkische Arbeitsleben als Angestellte einer allseits bekannten deutschen Immobilienfirma, einem türkischen Optiker und einem türkischen Makler waren so grandiose Misserfolge, dass ich beschloss, künftig nur noch für unser eigenes Geschäft – Force Rental eben, zu arbeiten, und das bisher mit Erfolg. Hätte in dieser Zeit und bis heute nicht mein Mann und seine ganze Familie geschlossen hinter mir gestanden, hätte ich es wohl nicht geschafft….

Sie wollen trotzdem diesen Schritt wagen, ich habe Sie nicht abgeschreckt????

Machen Sie sich eine Checkliste:

* was genau will ich dort?
* wie lange will ich bleiben?
* Will ich kündigen oder um Auszeit bitten?
* Wieviel Geld brauche ich monatlich?
* Was will ich in Alanya oder in der Türkei tun?
* Wieviel Geld brauche ich als stille Reserve?
* Wo und wie will ich wohnen? Mieten oder Kaufen?
* Was mache ich mit meinem Auto, mit meiner Wohnung, mit Haustieren, mit meinem Telefon, meinem Bankkonto etc. in Deutschland?
* Wie gleiche ich meinen Verlust in der Rentenzahlung (Zukunftssicherung) aus?
* Wie sichere ich mich im Krankheitsfall ab?
* Was will ich mitnehmen, was evtl. verkaufen?
* Wie stehen Familie und Freunde dazu?

Dass Sie sich vorher genau überlegt haben, dass Sie die Auswanderung auch wirklich wollen, versteht sich von selbst!

Wir bedanken uns auch für teilweise Unterstützung von Martina Yaman aus Alanya.

Teil II Arbeiten in der Türkei

29 November 2009

Wer in der Türkei eine Erwerbstätigkeit aufnehmen möchte, benötigt neben der Aufenthaltserlaubnis auch eine Arbeitserlaubnis. Mit dem 3-monatigen Touristenvisum ist keine Arbeitserlaubnis möglich! Auch im Ikamet – der türkischen AE – wird zunächst grundsätzlich eingetragen „Arbeitsaufnahme nicht gestattet („Calisma hakki vermez“).
Die Arbeitserlaubnis ist nicht an die Person, sondern an den Arbeitsplatz gebunden, was den Erhalt sehr schwierig macht. Der Arbeitgeber muss zunächst nachweisen, dass er keinen entsprechenden türkischen Arbeitnehmer finden kann und dass er genau diesen Ausländer einstellen MUSS. Branchenfremden wird KEINE Arbeitserlaubnis erteilt, die entsprechende Ausbildung bzw. Berufserfahrung muss per Zeugnis belegt sein. Achtung: in letzter Zeit werden gerne 3- bis 6-monatige „Praktika“ – insbesondere von Immobilienfirmen – angeboten. Wenn Sie nicht von einer deutschen Firma abgeordnet wurden, ist auch hierfür die Arbeitserlaubnis erforderlich!!!!

In touristischen Gebieten, insbesondere an der Türkischen Riviera, sind die wenigsten Arbeitgeber geneigt, diesen Parforceritt durch die Institutionen durchzuhalten und vertrösten gerne mit angeblichen „Ausnahmegenehmigungen“, „genehmigungsfreien Probezeiten“ oder, ganz plump, mit „hervorragenden Beziehungen“ zum Polizeichef. Damit liefert man sich aber auf Gedeih und Verderb dem Chef aus….
Der eigentliche Grund ist aber ein anderer: hat der Arbeitnehmer eine Arbeitserlaubnis, muss er auch versichert – und die Versicherung auch bezahlt – werden. Ferner ist der Arbeitgeber verpflichtet, die GESAMTEN Kosten für die Beantragung zu tragen, da die Erlaubnis ja an den Arbeitsplatz und nicht an die Person gebunden ist. Beliebt ist die Praxis, die Aufenthaltserlaubnis an die Arbeitserlaubnis zu koppeln, womit sich der Angestellte völlig in die Hand des Chefs begibt, da bei Kündigung beides erlischt..

Es muß jedoch bedacht werden, dass angesichts der Situation auf dem türkischen Arbeitsmarkt mit der Erteilung einer Arbeitserlaubnis nur in sehr seltenen Fällen gerechnet werden kann. Die türkische Auslandsvertretung erteilt, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind, ein Visum von kurzer Laufzeit ( etwa 3 Monate ).Nach der Einreise mit diesem Visum müssen Sie dann bei der Ausländerbehörde (Yabancilar Subesi ) die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis beantragen, die zunächst für ein Jahr erteilt wird, dann für drei Jahre und danach für jeweils 5 Jahre verlängert wird.

Wer glaubt, auf die Arbeiterlaubnis verzichten zu können und schwarz arbeitet (wie sehr viele Deutsche in Alanya), muss sich darüber im klaren sein, dass es in Alanya vermehrt zu Kontrollen kommt und wer ertappt wird, muss mit einer hohen Geldbuße (der Arbeitgeber übrigens auch) rechnen und im Extremfall mit Ausweisung innerhalb 48 Stunden – mit anschliessendem Einreiseverbot!!!!

Ausnahmen:
1. gründet ein Ausländer eine Firma (mind. GmbH mit 50.000 US-$ Mindesteinlage), wird eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis für die Dauer des Bestehens der Firma erteilt.
2. ausländische Ehefrauen dürfen ohne Arbeitserlaubnis im Familienbetrieb – auch als alleinige Geschäftsführerin – arbeiten.

Diese Auskünfte erfolgen ohne Gewähr, sind nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und ersetzen nicht eigene Recherchen. Bitte erkundigen Sie sich auch selbst beim zuständigen Türkischen Generalkonsulat in Deutschland!

Weitere Informationen können Sie einholen beim 
Vizekonsulat
Emniyet Müdürlügü Yabancilar Subesi 
Uncali Emniyet Müdürlügü 2 
Antalya 
Tel.: ( 0242 ) 227 96 07, 227 96 00 – 113
Fax : ( 0242 ) 227 96 07

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