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Mit uns in Istanbul

26 April 2011

Die Multimillionen-Metropole am Bosporus pendelt zwischen 1001 Nacht und versmogter Realität, zwischen Europa und Asien.
Am heftigsten im Künstlerviertel Beyoglu!
 
Und dorthin entführt Sie dieser Bericht…
Smog, Hektik und Verkehrschaos.
Istanbul, du schaffst mich, bist ein Krake, der alles verschlingt und an seinen eigenen Ausdünstungen fast erstickt.
Aber zum Glück besteht Istanbul, wie eigentlich alle großen Städte, aus einer Unzahl größerer und kleinerer Dörfer.
Und mein liebstes heißt Beyoglu, das Dorf der Künstler, Lebenskünstler und Musiker.
Eine Passage führt mich von der Straße ins “Little Wing Cafe”.
Zwischen der Einrichtung wie vom Trödelmarkt steht Esra, die Besitzerin, und lächelt.
In diesem Laden lerne ich Ali kennen, einen Gitarristen und Flamenco-Fan. Und Özgür, Flamenco-Fan und Arzt.
Ali zupft, streichelt und prügelt die Gitarre und Özgür singt, schreit und jammert, dass wahren Gitanos die Tränen kämen.
Esra bläst das Didgeridoo und schlägt die Tabla – Europa trifft Asien und Australien.
Esra strahlt: “World Music!”
Nicht nur musikalisch erwacht im alten Stadtteil Beyoglu ein neues, weltoffenes Istanbul.
Überall werden Häuser restauriert, eröffnen Lokale, Läden, Galerien.
Zur Zeit der Osmanen befahlen die Herrscher den Ungläubigen, in Beyoglu zu wohnen.
Seitdem verbieten weder Jehova noch Allah in diesem Viertel das Denken und Beyoglu wurde zum Zentrum der Intellektuellen Istanbuls.
Verleger ließen sich nieder, Fernsehsender und Werbeleute.
Das Galata-Viertel ist ein Musikparadies mit Instrumentenwerkstätten, Geschäften, Studios.
Und hinter dem Galatasaray Hamami, einem traditionsreichen “Türkischen Bad”, das einen Besuch lohnt, drängen sich Antiquitätenhändler, säumen Läden für Altes, Wertvolles und Kitsch die Gassen.
Im ewig jungen Beyoglu ist das Restaurant “Yakup 2″ eine Institution. Fuat, Musiker und eine bekannte Größe in der Türkei, hebt das Raki-Glas und zeigt auf die von Porträts übersäte Wand:
“Alles wichtige Menschen, Künstler.
Viele von ihnen sind schon tot und fehlen uns sehr.
Und die meisten waren Stammgäste.
” Auch Fuats Freund Nedret, Kunstprofessor und Maler, hebt sein Raki-Glas und trinkt auf alle großen Künstler.
“Nedret ist schon lange so erfolgreich, dass wir seine Bilder gar nicht mehr bezahlen können”, so Fuat.
Im vergangenen Jahr hat Nedret den Park hinter seiner Uni entdeckt.
Auf großen Ölgemälden zeigt er Szenen aus dem Park.

Erinnerung an glamouröse Zeiten:

Man kann Istanbul wie ein orientalisches Märchen erleben, wie ein Sultan residieren und sich bedienen lassen wie einer, zum Beispiel im Luxushotel des “Çiragan Palace”.
Aber die Musik spielt in Beyoglu, dem modernsten Teil Istanbuls in trotzdem meist alten Gemäuern.
Eine Legende ist das “Pera Palas Hotel”, das als Grandhotel für die Reisenden des Orient-Express erbaut wurde.
Ein alter Kasten voller Nostalgie.
Wenn man an der Bar steht, wartet man ständig darauf, dass Humphrey Bogart gleich von der Toilette zurückkommt.
Zum Wohnen ist dieses Hotel zu marod und zu teuer.
Das “Büyük Londra Hotel”, nur ein paar Schritte weiter, ist wesentlich preiswerter.
Dort genieße ich den bröckelnden Charme eines ganz langsam verfallenden Grandhotels, plüschigen Luxus unter scheinheilig funkelnden,
schweren Kronleuchtern und die großartige Aussicht über das Goldene Horn.
Vom “Büyük Londra” sind es nur wenige Minuten zur Istiklal Caddesi, der einstigen Prachtstraße mit dem europäischen Flair des 19. Jahrhunderts.
Wichtige Botschaften residieren in den herrschaftlichen Häusern.
Der Boulevard hat längst wieder an einst verblichene Eleganz angeknüpft.
Die Istiklal Caddesi ist die angesagteste Geschäftsstraße Istanbuls.
Abgesehen von einigen Filialen bekannter Firmen erinnert dort allerdings nichts an die Flaniermeilen westeuropäischer Großstädte.
Kebabpaläste bieten schnelle türkische Küche in prunkvollem Ambiente.
Patisserien locken mit orientalischem Zuckerwerk und die “Çiçek Pasaji” mit Raki und Mezze.
Vor Teehäusern hocken Junge und Alte auf Schemeln, schlürfen Çay (Tee) und rauchen dazu Wasserpfeifen.
Beyoglu – Zentrum von Künstlern und Intellektuellen:

Trotz der zigtausend täglichen Flaneure bleibt Beyoglu ein Dorf.
Nach nur drei Tagen bummle ich vor allem lächelnd und nickend über die Istiklal Caddesi, grüße den jungen begabten Fotografen, den hoffnungsvollen Romanautor und den kurdischen Geiger, der behauptet, er komme aus Italien und heiße Paganini.
Die schöne Felime vor der verspiegelten Fassade der Vakif Bank spielt mit ihrer Flöte auf der Straße Millionen ein.
Lire, versteht sich, und das nur, wenn Felime Glück hat.
Genügt gerade, um sich abends bei Esra ein einfaches Essen zu bestellen.
Obwohl sich ganz allmählich herumspricht, dass Istanbul dabei ist, in Beyoglu zu einem der pulsierendsten und kreativsten Orte Europas zu werden, gehört es längst noch nicht zum Standardprogramm der Besucher.
Sultanahmet heißt der Traum der Städtereisenden.
Nur dort werden Klischeevorstellungen zur Wirklichkeit.
Wälder von Minaretten kitzeln den Himmel.
Die Hagia Sophia, von den Byzantinern erbaute Kirche und von den Osmanen zur Moschee umgebaut, und die Blaue Moschee stehen sich gegenüber.
Die eine mit vier Minaretten, die andere gar mit sechs.
Der Pracht des Topkapi-Palasts, Sitz mehrerer Generationen von osmanischen Herrschern, tun die steinernen Schornsteinwälder am Himmel keinen Abbruch.
Die Besucher strömen vor allem in den Harem.
Dieses Vergnügen kostet zusätzliche 13 Euro.
Aber trotz des Touristenandrangs wirken die Lustgemächer ziemlich leer ohne die Schönen, die Blumen des Orients.
Pech gehabt.
Die Anmutigen und Schönen sind längst in Beyoglu, an Männern durchaus noch interessiert, aber ihnen schon lange nicht mehr gehorsa untergeordnet.
Beyoglu mit seinem Geflecht von Straßen und Gassen zu beiden Seiten der Istiklal Caddesi – ewig kann man schlendern, schauen und immer noch Neues entdecken.
Aber irgendwann will man raus aus der Enge, raus aus der immer währenden Geschäftigkeit des Viertels.
“Autofahren ist in Istanbul Artistik”, urteilt der Taxifahrer und rast auf das Ende des Staus zu.
Heiße Nächte und Orient-Feeling:

Vor allem an den Wochenenden scheint Beyoglu nie zu schlafen.
Menschenmassen schieben sich durch die Istiklal Caddesi.
Vorwärts kommt man am besten auf den Straßenbahnschienen, denn die werden alle zehn Minuten geräumt, wenn der rote Oldtimer bimmelnd und im Schritttempo durchzukommen versucht.
Bis 5 Uhr morgens herrscht Gedränge, die kleinen Geschäfte haben immer noch geöffnet, verkaufen Waschmittel oder Wein.
Zelebriert werden die Nächte im “Babylon”, das legendäre Konzerte veranstaltet, bei Livemusik im “Mojo” oder im “Jazz Stop” in der Nähe des quirligen Taksim-Platzes.
Jazzlegenden wie das amerikanische Sun Ra Orchestra gastieren im “Babylon”.
Ihren Tee schlürfen die Jazzer vor dem Konzert in Esras “Little Wing Cafe”, was die Wirtin für den Rest des Tages in Euphorie versetzt.
Der Latin-Punker und Musikrebell Manu Chao wird der Nächste auf der Liste der illustren “Babylon”-Stars sein.
Beyoglu als die Attraktion Istanbuls, die Istiklal Caddesi als das Einkaufsviertel Istanbuls – das werden mir eingefleischte Städtetouristen nur schwer abnehmen.
“Und der Große Basar?”, werden sie fragen.
Der größte überdachte Basar der Welt?
Der liegt wie die meisten osmanischen Bauten im Viertel Sultanahmet.
Da ist es wieder, das Märchen aus 1001 Nacht, das seine Existenz immer weniger den Erzählern und immer mehr den Zuhörern verdankt.
Tage kann man im Großen Basar verbringen, Tee in finsteren Teehäusern schlürfen oder Espresso in eleganten Cafés und sich verzaubern lassen vom bunten Licht glitzernder Öllampen.
Licht flutet durch Kuppeln, zerschneidet die Luft, zieht den Besucher immer tiefer in das Labyrinth aus Goldschmuck, kostbaren Teppichen und spottbilligen Lederwaren.
Aber irgendwann wird man vom Strom der Besucher wieder ins Freie gespült:
Das Basarviertel erstreckt sich den ganzen Berg hinab bis an das Wasser.
So schieben und stoßen einen die Passanten bis zum Gewürzbasar und weiter bis zur Yenicamii am Goldenen Horn in Eminönü.
Gegenüber, am nördlichen Ufer des Goldenen Horns, zieht sich um den Galata-Turm das von den Genuesen erbaute Galata-Viertel den Berg hinauf nach Beyoglu bis zur Endstation des Tünel, der ältesten und auch kürzesten “U-Bahn” der Welt.
Eminönü am südlichen Ufer ist einer der Verkehrsknotenpunkte der Stadt.
Im Bahnhof Sirkeci endete einst der Orient-Express.
An den Kais legen noch heute pausenlos Fähren zu entfernten Stadtteilen der riesigen und wuchernden Stadt und zum asiatischen Ufer ab.
Menschen drängen und rempeln, Taxis hupen, Sesamkringelverkäufer brüllen, aus den Schloten der Fähren steigt schwarzer Dieselqualm und
verschlingt Luft und Himmel.
Am Ufer wird Fisch aus dem Bosporus verkauft.
Aber zum Glück ist man mit dem Taxi schnell zurück auf dem Hügel von Beyoglu.

Teil I:

Bilder und Bericht von Frank Tophoven, Abenteuer und Reisen.

Aspendos – Pegre – Demre & Myra

16 März 2011

Kommen Sie mit uns auf eine unvergessliche Reise in die Lykische Welt.

Die alte Region ist als Reiseziel nicht nur wegen ihrer antiken Stätten (43) interessant, sondern auch für Badeurlauber, die sich im kristallklaren Wasser erfreuen, Naturfreunde an der spektakulären Landschaft, die von den westlichen, bis 3000 m hohen, Ausläufern des Taurusgebirge geprägt sind.

Wir beginnen mit den Highlights um die Provinzstadt Antalya und den beeindruckenden Sehenswürdigkeiten:

Aspendos – Perge – Demre & Myra

Das große antike Theater von Aspendos wurde vor über 1800 Jahren von den Griechen erbaut und später von den Römern in seiner jetzigen Pracht vollendet. Der vielseitigen Nutzung in den letzten Jahrhunderten durch Aufführungen, Gladiatorenkämpfe und als Karawanserei ist es zu verdanken, dass das Theater so gut erhalten ist.

Fällt eine Münze auf den Bühnenplatz, so hören Sie dieses bis in die oberste Sitzreihe. Noch heute hat es eine Platzkapazität für 15000 Personen.

Von Mai bis Oktober finden noch heute einzigartige Veranstaltungen statt. So zum Beispiel klassische Konzerte, Opern und Ballettaufführungen. So war im Mai 2005 auch Thomas Gottschalk mit „Wetten das“ hier Gast.

Erleben Sie hier den absoluten Hochgenuss und Gänsehautgarantie unter dem Sternenhimmel!

 Wer seinen Urlaub plant, sollte sich auf alle Fälle dies Aufführungen wie „Fire of Anatolien“ oder „Troja“ nicht entgehen lassen. Sie werden es nicht bereuen. Leider findet dies nicht mehr im alten Aspendos statt, da durch die Erschütterungen der Tänzer das Bauwerk gefährdet war. Gleich daneben steht nun das „Gloria Aspendos“ für diese Aufführungen.

 80 Tänzerinnen und Tänzer in 1.500 prächtigen Gewändern inszenieren den Mythos um die antike Stadt Troja und den weltberühmten Kampf um die schöne Helena mit einer Kraft des tänzerischen Ausdrucks und einer beeindruckenden Opulenz, die eindeutig die Handschrift des türkischen Erfolgschoreographen und Show-Produzenten Mustafa Erdogan trägt, aus dessen Feder das imposante Werk stammt.

Mit seiner internationalen Tanzgruppe „Sultans of the Dance“, die später in „Fire of Anatolia“ umbenannt wurde, begeisterte Erdogan seit 1999 rund 25 Millionen Besucher in 85 Ländern und 275 Städten.

 In der Nähe von Antalya liegt Perge, das noch rund 800 Jahre älter ist als Antalya.

Schon um 1000 v. Chr. wurde dieses besiedelt. Es trug damals den Namen dieser Landschaft Pamphylien.

Griechen waren höchstwahrscheinlich die ersten Siedler und später kamen noch verschiedene Eroberer und herrschten zeitweise über dieses Gebiet.

Auch Perser und Römer waren hier mal ansässig und hinterließen Zeugnisse ihrer vergangenen Kultur, wie die Säulenstraße. Bewundern Sie die antiken Reste der Rundtürme, die Agora und die auf einer Ebene aufragende Akropolis.

 Demre & Myra:

 Warten Sie in diesem Jahr nicht bis zum 6. Dezember auf den Nikolaus, sondern besuchen Sie ihn in seiner Heimat, in der Stadt „Myra“, den heutigen „Demre“.

 Ein Ausflug zum Nikolaus lohnt sich immer!!

 Bei uns kommt der Nikolaus und füllt uns den Stiefel mit Äpfeln, Nüsse, Mandarinen und Süßigkeiten.

 Die wenigsten wissen, dass der Nikolaus nicht aus den verschneiten Wäldern seinen Weg zu uns findet, sondern aus den warmen Lykien kommt, einer malerischen Küstenlandschaft, westlich von Antalya.

Durch das Taurusgebirge gelangen wir zu diesen Ort, der in einer Tiefebene liegt. Für Ihr herrliches Panorama und seine Zitrusfrüchten ist diese Region berühmt.

Hier befinden sich die antike Bischofsstadt Myra und der ehemalige Bischofssitz. Der Wirkungsort des Heiligen Nikolaus aus dem 6. Jh. n. Christi gilt immer noch als Pilgerort für Tausende von Christen aus der ganzen Welt.

Bei einem Ausflug besuchen wir die weltberühmte St. Nikolaus Kirche, die im 7. Jh. nach Christi erbaut wurde und in der auch der Sarkophag des Heiligen Nikolaus zu besichtigen ist.

Am Fuß des Taurusgebirge sehen Sie die Ruinen der antiken Stadt Myra und die Lykischen Felsengräber jener Zeit.

Sie sollten sich auf einer Bootstour die „versunkene Stadt“ ansehen, sowie die Städte Kekova und Simena.

Ebenso kann ich Ihnen die „Blaue Reise“ empfehlen, die wir schon gemacht haben. Dabei werden Sie noch mehr über die lykische Küste erfahren.

Die Stadt unter dem Sand

8 März 2011

Patara ist einmalig an der türkischen Südküste.
 

Direkt neben dem Dorf gräbt ein Archäologe eine antike Metropole aus.
Deshalb sind dem Ort Bettenburgen erspart geblieben – und der Strand ist der ruhigste und schönste im ganzen Land.
Triumphierend fallen die Geländewagen in Dreier- und Fünferkolonnen in Patara ein  und fahren doch am Dorf vorbei.
Vorbei auch an den Ausgrabungsstätten, die von den Touristen nur eines Blickes gewürdigt werden, weil sie gleich an der Straße
zum Meer liegen und am Wärterhäuschen deshalb zwei türkische Lira pro Person und Zugang zur Antike zu entrichten sind.
Aber wer will da schon hin?
Der Strand lockt – doch der Wachmann bleibt ungerührt: »Kein Geld, kein Strand!«

Jeden Tag geht das so. 1.000 bis 1.500 Besucher reisen von weit her an, aus Kalkan, Kas und Fethiye.
Zahlen schließlich, baden und fahren in den Jeeps oder Minibussen ihrer Hotels wieder ab.
Wundern sich allenfalls: Weshalb hier so wenig los ist – an einem Strand, bei dessen Zauber es keine Rolle spielt, dass sich die Reiseführer uneins sind, ob er nun 15, 18 oder 22 Kilometer lang ist?
Weshalb es keine Surfschulen und Banana-Boats gibt, stattdessen türkische Familien auf dem Sand lagern und fröhliche Mütterchen in voller Montur auf den Wellen schaukeln?

Weit hinten, am Ende des Strands, zeichnen sich die Berge ab, die wie ein Gürtel um die große Schwemmlandebene von Patara liegen.
Schilder weisen darauf hin, dass an diesem Strand die  unechte Karettschildkröte, Caretta caretta, ihre Eier ablegt und das Betreten nachts nicht erlaubt ist.
Über riesigen Dünen reiten einsam zwei Drachen im Wind, während das Dorf unter der Sonne döst und tagsüber nicht mal aufhorcht, wenn der Muezzin sein »Allah ist groß!« in die Runde schickt.
Denn obgleich im Ort alles auf Besucher ausgerichtet ist und die Sunday Times den Strand wiederholt zum schönsten Europas (!) kürte,
hat der große Tourismus Patara nie wirklich erreicht: drei Straßen, drei Lebensmittelläden, drei Dutzend kleine Pensionen und Hotels,
nicht höher als die sie umgebenden Gärten aus Granatapfel- und Pfirsichbäumen.
Ein staubiger Platz mit Atatürk und Flagge, den die Dolmus-Fahrer umkreisen, wenn sie ihre Kleinbusse wenden.
Und wenn einer der Pensionswirte frische Eier für die Morgenomeletts braucht, schwingt er sich auf sein knatterndes Moped,
fährt zum nächsten Laden die kurze Flaniermeile – an der abends die Restaurants und Bars auf Touristen lauern – einmal rauf und dann wieder runter und hat dabei fast das ganze Dorf durchmessen.

Das hat 900 Einwohner und die doppelte Zahl an Gästebetten, von denen selbst in der Hochsaison nur die Hälfte belegt sind –  zwei Friseure finden gerade so ihr Auskommen.
Dabei hatte Patara eine glänzende Karriere vor sich.
Damals, Mitte der achtziger Jahre, als an der türkischen Südküste die Betonmischer richtig auf Touren kamen.
Und hätte es seinerzeit mit den Ambitionen der Dörfler geklappt, dann wäre Patara heute wie Side oder Marmaris.
Ein Ort, in den Billigtouristen zum sommerlichen All-inclusive-Happening einfallen und die Freunde des Dosenbiers den Strand und die Spielautomaten belagern.
Statt Meerlandschaft ein Häusermeer mit asphaltiertem Wasserzugang und täglichem Autochaos.

»Hier kann man etwas machen«, und wenn es erst richtig los geht, dann ist er schon da – das wusste Cezmi Belik sofort, als er Patara 1988 erstmals besuchte.
»Kein Tourismus weit und breit, aber diese paradiesische Landschaft.«
Beliks Hotel war schnell gebaut. Wie 40 weitere Häuser, die nahezu zeitgleich entstanden und aus den Söhnen der Region umtriebige Geschäftsführer machten.
Die nötigen Kredite kamen von SunMed, einem britischen Reiseveranstalter, der Patara erschließen und seine Feriengäste schicken wollte.
Ein paar Monate herrschte Goldgräberstimmung im Dorf, das sich in scheuem Abstand zum Meer, zum Triumphbogen und zu den Sarkophagen einrichtete, die seit Jahrhunderten wie grasende Ziegen unter Ölbäumen standen, dann kam die große Depression: der Baustopp für alle und für jene, die schon gebaut hatten, der Abrissbescheid.

Auch Belik bekam das Papier.

 
Noch heute ist der 48-Jährige heilfroh, dass er das Hotel so schnell eröffnet hatte, weil man sich schließlich auf einen Kompromiss einigte: Fertiges durfte bleiben, Unfertiges musste weichen oder steht noch heute als Investitionsruine herum.
Direkt am Dorfrand verläuft nun die Grenze zur Schutzzone, zu der Patara vom Kulturministerium in Ankara seinerzeit erklärt wurde.
Nicht mal drei Wochen vor dem Tag X hatte Belik im April 89 die ersten Gäste begrüßt.

»Es ist Zeit, die Vergangenheit hinter uns zu lassen«, sagt er heute, um dann doch von ihr zu reden.
Wie so viele im Dorf. Vielleicht, weil es sie dazu drängt, mal wieder alles loszuwerden, vielleicht aber auch, weil es in Patara seit anderthalb Jahrzehnten kaum ein Gespräch gibt, in dem diese Geschichte nicht noch ihren Platz gefunden hätte: das Meer, der Strand, der Professor –
die großen Hoffnungen auf schnelles Geld und weshalb es dann doch nichts wurde.
»Der Professor hat uns sehr geschadet«, sagt Belik, fährt sich durchs graue Haar und rückt die Brille zurecht.

So still das Dorf daliegt, wenn er aus dem Fenster seines Hotels Dardanos schaut, so geschäftig geht es ein paar hundert Meter weiter in Richtung Strand zu.
Zwei Lastkraftwagen fahren wie im Akkord, Bagger und Kräne bewegen tagein, tagaus Tonnen von Sand, Geröll und Stein.
Arbeiter schachten an der breiten, mit weißen Blöcken gepflasterten Hauptstraße, die vom uralten Palmenhain und von den Bädern zum Hafen führt, vorbei an Geschäften, am antiken Rathaus und am Theater.

»Eine Weltstadt mit mehr Kirchen und Tempeln als Ephesos«,
nennt Fahri Isik diese Landschaft aus Schilf und Sand und Macchia, über die sich monumentale Bauten erheben.

Mit verlässlicher Regelmäßigkeit gräbt der Professor mit Lehrstuhl in Antalya hier kleine und große Sensationen aus.
Einen mächtigen Wegweiser zum Beispiel, an dem sich Menschen schon vor 1.700 Jahren orientierten, als Handel und Wandel in Patara weit größer und die Beziehungen zur Welt weit enger waren als heute.
Oder einen Leuchtturm, den einzigen aus der Antike, der unverändert erhalten blieb, weil die Dünen ihn bis zum Sommer 2005 konservierten.
Patara war einst Hauptstadt und wichtigster Hafen des Lykischen Bundes, einer mächtigen Städtevereinigung in Kleinasien.

 
Schon vor Christi Geburt lebten 15.000 bis 20.000 Menschen in der Stadt, wurde am Meer gebaut, bis nahezu jeder halbwegs windgeschützte Fleck besiedelt war.
Hafen blieb der Ort auch unter Rom und Byzanz, bis die turmhohen Wanderdünen ihn letztlich ganz unter sich begruben und Patara im 15. Jahrhundert aufgegeben wurde.

Fahri Isik ist ein drahtiger Mann mit klugen braunen Augen und kräftigen Händen.
Wer ihm durchs ausgedehnte Grabungsgelände folgt, kann im tiefen Sand kaum Schritt halten und wer ihm zuhört, könnte glauben, der 61-Jährige sei Bauunternehmer und das goldene Zeitalter in Patara doch noch angebrochen.
Mühen und Erfolge umschreibt der Archäologe gern in Lkw-Ladungen:
beim Theater 1.000 Lastkraftwagen Sand bewegt; beim Rathaus 1.500 Fuhren; der Leuchtturm, ganze 4.000; bei den Thermen sind die Wissenschaftler mit 750 Touren ausgekommen.

 
Und wer ihn dann beobachtet, wie er den Sand neugierig durch die Hände rinnen lässt, wird wissen, dass Spatenarchäologie ein feinfühliges Geschäft ist.
Jeder Quadratmeter Sand wird gesiebt und untersucht, jeder Fund akribisch ausgewertet.

Chodscha, Lehrer, nennen ihn seine Mitarbeiter, für die er der Retter von Patara ist.
Die vielen Studenten, die Landvermesser, die Bauhistoriker und Archäologen, selbst die Arbeiter, die in der sengenden Sonnenglut graben, rufen ihn ehrfürchtig Chodscha.
Sie rücken einen Sitz in den Schatten, bringen kaltes Wasser aus einer Kühlbox und schneiden Melone auf, sobald Fahri Isik auftaucht.
»Unter diesem Sand liegt nicht nur Arbeit für die nächsten 500 Jahre«, sagt er, »sondern auch unsere Vergangenheit.«

Als Isik 1981 zum ersten Mal in die Ebene von Patara kam, gab es hier weder Wege, Wasser noch Strom – dafür Sumpf und Mücken, die selbst durch die dicksten Laken stachen und gegen die kein noch so gutes Hausmittel aus Minz- und Zedernöl half.
Ein Dutzend Häuser, die von Nomadenfamilien als Winterquartiere genutzt wurden, Öl- und Eukalyptuswälder und Sand, überall Sand.
Die oberen Sitzreihen des Theaters ragten aus ihm heraus, ließen aber noch lange nicht erahnen,
dass hier später etwas ausgegraben würde, was die berühmte Bühne von Aspendos im Vergleich wie eine Scheune aussehen lässt.
Ein Triumphbogen stand da, schön und kraftvoll.
Die vielen Hügel bestürmten Isiks Vorstellungskraft und Fantasie.
Als der Professor nach sieben Jahren zurückkehrte, in denen er um den Schutz der Landschaft und eine Grabungsgenehmigung gekämpft hatte, war Patara bereits entdeckt und auf bestem Weg, »für immer zerstört zu werden«.

Es folgten Baustopp und Abrissverfügungen, nicht enden wollende gegenseitige Anfeindungen, es wurde geredet, wie in Patara der Wind geht – ohne Pause und von allen Seiten.
Nicht miteinander, sondern übereinander.
Sobald im Dorf nur ein Spaten bewegt oder eine Palme gepflanzt wurde, konterte Isik mit Klagen, um Patara zu bewahren.
Wenn es im Grabungsgelände mal brannte, waren es nach Isiks Meinung die Dörfler – obwohl sie nach Kräften beim Löschen halfen.
»Er hat mehr Macht als der türkische Präsident«,
hieß es im Ort, weil man in ihm mehr einen Verhinderer als einen Bewahrer sah.
»Ein Verrückter, der unsere Zukunft zerstört«, hörte man auch, obgleich das Dorf dann doch bleiben konnte und bald seine Nische im Schatten des großen Tourismus fand.
Schon Mitte der Neunziger war im Sommer in Patara kein Bett mehr zu bekommen, sodass die Wirte ihre Gäste sogar auf den Dachterrassen einquartierten:
Individualtouristen und Backpacker zumeist, die anderes wollten als ein Pauschalpaket.

Man paddelte auf dem Xanthos, der aus den Bergen durch die sattgrüne Schwemmlandebene ins Meer fließt, beobachtete Schildkröten, Reiher und Stachelschweine, liebte sich am Strand und ritt morgens über die Wanderdünen in den Sonnenaufgang.
Andere gingen auf Erkundung in der Saklikent-Schlucht oder auf dem Lykischen Weg, der durchs Dorf führt.
Alle zusammen feierten den Sonnenuntergang und dann die Nächte durch –
erst bei Kefir und Kuttelsuppe in einem der muslimischen Restaurants, dann mit Wein, Raki und Gras im Medusa, im Lazy Frog oder bei Cezmi Belik,
der längst die Zeichen der Zeit erkannt hatte und neben Hotelbetten auch Kanu-, Reit- und Wandertouren anbot.

Irgendwann blieben die Backpacker wieder weg, weil die Fernziele ferner wurden.
Und seit zwei Jahren, seit die Überlandbusse von Kas nach Fethiye nicht mehr den Umweg über Patara nehmen, weil die Dolmus-Fahrer im Dorf auch etwas verdienen und die Touristen von der Fernstraße abholen wollten,
kommen noch weniger Gäste.
Viele hatten sich früher spontan zum Bleiben entschieden, sobald sie Patara vom Busfenster aus sahen.
Das ist jetzt vorbei. »Man entdeckt nur, was sich präsentiert«, sagt Cezmi Belik.

Dem Dorf blieb die Erkenntnis, dass man im Fremdenverkehr auch anders überleben kann, aber etwas tun muss und dass der Professor nicht an allem Schuld hat, was in der Gegenwart schief geht:
Heute reden im Ort viele von Kultur- und Ökotourismus und sanftem Reisen.
Sie können die guten Gründe, Teile der türkischen Südküste nicht zu mögen,
alle herunterbeten und lassen den Namen Patara auf ihre Visitenkarten drucken, obwohl das Dorf eigentlich Gelemis heißt.

»In zehn, fünfzehn Jahren werden wir ihm ein Denkmal setzen, gleich neben dem Atatürks«, sagt Soner Zeybek über den Professor, während er Oliven und Tee auftischt.
Auch Zeybek hatte damals den Abrissbescheid bekommen und um sein Hotel bangen müssen.
Heute ist er froh und dem Professor dankbar, dass alles so gekommen ist.
Die Einnahmen aus dem Tourismus reichen zwar nicht, um seine Familie zu ernähren, aber mit dem Gewächshaus und Tomatenanbau kommt Zeybek gut hin.
»Wie würde es sonst hier aussehen«, fragt er sich und zählt ebenfalls auf, was Patara vom Rest der Küste unterscheidet und das ist – von Sonne und Meer einmal abgesehen – so ziemlich alles.
»Wir wären von unserer Geschichte abgeschnitten, unserer eigenen und der unseres Landes«, sagt er in seiner stillen, freundlichen Art.

Ein erfrischendes Lüftchen weht.
Von der Dachterrasse überblickt Zeybek das Dorf, sieht die Häuser seiner Geschwister und zeigt, wo sein Großvater einst unter den Olivenbäumen gebaut hat.
Zeybeks Familie lebt seit dem 17. Jahrhundert in der Region, seine Eltern waren noch Nomaden, die im Sommer auf der yayla ,
der Alm, oberhalb von Elmali in den Bergen wohnten und auf mehr als 2.000 Meter Höhe Vieh- und Feldwirtschaft betrieben.
Nur in den Wintermonaten zogen sie mit ihren sieben Kindern und den Tieren in die fruchtbare Ebene von Patara.
Vor 40 Jahren kam Soner zur Welt – im Winter.

Auch Arif Otlü ist hier geboren und seit anderthalb Jahren Bürgermeister.
 
Er hat viel vor.

Damit all jene, die bislang nur für einen Tag kommen, ihren Urlaub hier verbringen, will der 41Jährige auf die großen Touristikmessen gehen und in Deutschland eine Partnergemeinde finden, die »ebenfalls eng mit dem kulturellen Erbe der Menschheit verbunden ist«.
Das Dorf will er herausputzen, manch zusammengezimmertes Terrassenlokal durch typisch Türkisches ersetzen,
die Straßen erneuern und einige der Ruinen aus dem Jahr 89 vollenden oder abreißen lassen.
Seit einem Jahr liegt sein Entwicklungs- und Bebauungsplan in Ankara zur Entscheidung, zuvor hat er ihn im Dorf diskutieren lassen.
Seine erste Amtshandlung aber war, Fahri Isik aufzusuchen, einfach so, um hallo zu sagen.
»Schließlich verbindet uns viel«, sagt Otlü und nennt die Zukunft als Beispiel.

Mehr als anderthalb Jahrzehnte haben sie nicht miteinander geredet, die Dorfbewohner und der Professor.
Jetzt sind sie gemeinsam ein Stück gewandert, von Osten über die Hügel vorbei an der Weltstadt ins Dorf.
Sie haben unterwegs gegrillt und getrunken – und ein paar Offizielle aus der Hauptstadt waren auch dabei.
Soner Zeybek hat seither ein Buch von Isik mit Widmung und Arif Otlü noch mehr Verbündete.
Havva Iskan, Isiks Frau und ebenfalls Archäologin, hat im Dorf einen Vortrag über die Ausgrabungen gehalten.
Und bei der Power-Point-Präsentation zum Theater staunten alle über die Wiederauferstehung im Zeitraffer.
Im März war es, dass sie gewandert sind, und Mitte August ist es in Patara noch immer Gesprächsthema, so wie der Regen, der im Juli niederging, ein Schauer nur, aber erstmals seit Jahrzehnten und überraschend genug,
um lange davon zu zehren.

Von Thomas Gebhardt Zeit Online Reisen

Ein Ausflug und die Höhepunkte mit uns in Antalya

4 Februar 2011

Endecken Sie mit uns „die Perle des Mittelmeeres“, die Stadt Antalya, an der türkischen Riviera, der Küste der Türkei am Mittelmeer.

An einer großen Bucht, dem Golf von Antalya, erstreckt sich diese außergewöhnliche Stadt an schroffen Klippen zur Meerseite hin und dem mächtigen Taurusgebirge, mit seinen zum Teil bis zu 3000 m hohen Gipfeln.

Die türkische Riviera stellt landschaftlich eine der wohl reizvollsten Gebiete der gesamten Türkei dar.

Zuerst nehmen wir Sie zu einem Besuch des Karpuzkaldiran Wasserfall mit, auch als grosser Düden Wasserfall bekannt, der sich direkt in das Meer stürzt. Im Landesinneren ist der Kursunlu Wasserfall, welcher sich in einem Nationalpark befindet und unter Naturschutz steht.. Nicht weit entfernt von Kursunlu liegt der Düden Wasserfall; ein kleines, verstecktes Nest im Herzen des Waldes.

In der malerischen Altstadt Antalyas, auch Kaleici genannt, mit ihren verwinkelten, schattigen Gassen, ist von der historischen Stadtmauer umgeben.

Von hier aus hat man einen wundervollen Blick auf den Yachthafen. In den vergangenen Jahren wurden immer mehr Häuser im osmanischen Baustil restauriert und zu Hotels, Geschäften oder Restaurants umgebaut.

Bummeln Sie mit uns durch die Altstadt (Kaleici), vorbei am Yivli Minarett und dem Uhrenturm, durch das Hadrianstor und zurück in die Neustadt. Flanieren Sie durch die Basarstrasse und vergessen Sie das Handeln dabei nicht, oder Sie entspannen sich in einem der vielen Terrassencafés mit Blick auf“s Meer. Wer Lust und auch die Geduld hat, der kann sich ein kleines Andenken beim Besuch einer Goldmanufaktur mit nehmen.

Das sollten Sie auf keinen Fall versäumen: das archäologische Museum

Dieses archäologische Museum von Antalya ist das Bedeutendste Museum an der türkischen Mittelmeerküste.

Es zeigt Funde aus ganz Pamphylien und Lykien. Räumlich wie didaktisch ist es hervorragend aufgebaut.

Im Museum von Antalya hat man neben Athen eine der bedeutendsten Sammlungen antiker Kunst.

Viele von den Ausgrabungen der Frühgeschichte Anatoliens sind hier zu sehen.

Der pergamenische König Attalos II. gründete die Stadt unter dem Namen Attalia. Ausgrabungen zufolge haben hier bereits vor 40.000 Jahren Menschen gesiedelt. In ihrer bewegten Geschichte erlebte die Stadt viele verschiedene Herrschaften, darunter Griechen, Römer, Seldschuken, Byzantiner und Osmanen. 1923 wurde Antalya zur Hauptstadt der Provinz Antalya erklärt.

Beim Abendessen genießen Sie die Atmosphäre der Stadt in einem Restaurant direkt am Yachthafen und entspannen sich von diesem Tag im Anschluss noch bei einer Bootsfahrt.

Was Sie nicht vergessen sollten, ist ein Fotoapparat, um all Ihre Eindrücke einfangen zu können.

Auch das ist möglich in der Umgebung von Antalya.

Im Sommer Baden und Skifahren?

Begleiten Sie uns zum Wintersport in der Türkei!!!

Wenn Sie in Antalya sind und nach Westen blicken, erkennen Sie die Beydaglari, die mit ihrer ganzen Pracht Stadt und Meer beherrschen.

Nur eine Stunde vom Stadtzentrum Antalya entfernt, befindet sich an den Hängen des 2547 m hohen Bakirli Dag das Skizentrum Saklikent, dass eines der wenigen Regionen dieser Welt darstellt, die nicht nur geeignet sind für Winter-und Outdoorsport, sondern auch nahe am Stadtzentrum liegen.

Die Skisaison beginnt ebenso wie in den anderen türkischen Skisportzentren im Dezember und bietet den Skifahrern bis Mitte April die Gelegenheit, ihrer Leidenschaft zu frönen.

Saklibeli Skilift und Abfahrt:

Diese Abfahrt wurde für Anfänger mittleren Könnens eingerichtet. Die Länge der Abfahrt beträgt 1700 m, die Skiliftlänge 745 m; die Bergstation liegt auf 2000 m und der Höhenunterschied beträgt 50 m.

Die Kapazität der Abfahrt liegt bei 800 Personen.

Nadir Gez Skilift und Abfahrt:

Diese Abfahrt wird von fortgeschrittenen Skifahrern bevorzugt. Die Skiliftlänge beträgt 745 m; die Bergstation liegt auf 2450 m Höhe und der Höhenunterschied beträgt 400 m.

Die Personenkapazität pro Stunde liegt bei 600; die Abfahrt ist als schwarze Abfahrt eingezeichnet.

Wenn Sie möchten, können Sie die Abfahrt über verschiedene Nebenwege auf 3400 m ausdehnen. Die Piste bietet auch Snowboardern von Natur aus schwindelerregende Möglichkeiten.

Saklikent mit seinen 477 freistehenden Gebäuden bietet den Anblick einer Stadt. Im Zentrum Saklikent gibt es Restaurants und Bar´s, die ihre Dienste offerieren.

Das Saklikent Motel hat ein neu eingerichtetes Restaurant und eine Bar; der Gastraum mit dem offenen Kamin und einer Kapazität von 200 Personen hält die verschiedensten Gaumenfreuden bereit. Während Sie ein heißes Getränk oder einen kalten Drink genießen, verlieren Sie in Anbetracht der grandiosen Natur die Müdigkeit des Tages und können am offenen Kamin angenehme Gespräche führen oder neue Freundschaften knüpfen.

Ich kann Ihnen nur sagen, es macht richtig Spaß, hier Ski zu fahren und anschließend am Nachmittag im Meer zu baden.

Reise zum Bafa See Teil III

26 Januar 2011

Im blendenden Licht des Nachmittags tuckern wir hinüber ans menschenleere, unbewohnte Nordufer des Bafa Gölü.
Ümit lässt den Kahn auf einen flachen Strand laufen, der wie eine weiße Sichel zwischen mächtigen runden Granitfelsen liegt.
Das Wasser ist glasklar.
»Du kannst es trinken«, sagt Ümit.
Es schmeckt leicht salzig aus der hohlen Hand.
15, 16 Grad, schätze ich, man könnte baden im März… Ich lasse mich in den warmen Muschelsand fallen.
Ich denke: Perfekt, Schlafsack, Feuerchen, versteckte Idylle, The Beach.

Auf der Bootsfahrt zurück in Richtung Dorf kommen wir an einem halben Dutzend solcher kleinen Buchten vorbei, eine schöner als die andere.
Niemand ist zu sehen, nur zwei Schafhirten winken hoch über dem Ufer.
Auch im Sommer, sagt Mithat, kommt fast nie jemand hierher.

Es geht auf fünf, als wir in Kapikiri vom Kahn springen.
Von allen Seiten treiben Frauen in wadenlangen Pluderhosen und Männer mit Gummistiefeln ihre Kühe heim von den Weiden.
Gemächlich ziehen die Tiere die Dorfstraße hinauf und lassen ihre Fladen platschen.
Ein schlanker jüngerer Mann kommt uns entgegen und grüßt freundlich.
Er ist bartlos, trägt einen hellblauen Pulli und eine getönte Brille.

»Das ist Abdullah Idin, unser Imam«, stellt Mithat ihn vor.
Der Imam spricht Englisch. Er kommt mit auf einen Çay in die Pansiyon Agora, wo Mithats Mutter warmen, weichen Kuchen hinstellt.

Zum Sonnenuntergang gehe ich hinauf in die Felsen und schaue übers Dorf.
Kapikiri, »Kapíkr«, was macht dich so magisch?
Ist es der See, der jetzt golden glänzt zu deinen Füßen, ist es der Berg in deinem Rücken, der Fünffingerberg voller Höhlen, voller Geschichten, von Göttern, Räubern und Nomaden?
Ist es deine jahrtausendealte Siedlungsgeschichte mit den vielen sichtbaren Spuren?
Hier lebten Steinzeitmenschen, erst 1994 wurden ihre Felsmalereien entdeckt.
Hier bauten Hethiter, Karer, Griechen, Römer, Christenmönche.
Aus allen Epochen stehen noch Mauern, Tore, Türme; da und dort im Dorf hängt Wäsche zwischen antiken Säulenstümpfen.
Vielleicht ist das dein Genius Loci: der ebenso ungenierte wie unkommerzielle Umgang mit dem kulturellen Erbe, das Fehlen von Verbotstafeln, Absperrungen, Souvenirläden, wie sie der Massentourismus gebiert.

Zwei Landschildkröten tapsen aus dem Felsenschatten ins Abendlicht

Es raschelt im Gras.
Zwei Landschildkröten tapsen aus dem Felsenschatten neben meinem stillen Sitzplatz.
Dann nähert sich im letzten Licht eine Rätselgestalt von oben.
Trägt eine unförmige Last auf dem Rücken, hat weißblondes Haar, Fusselbart, verpflasterte Finger.
Hallo, wie geht’s? Riku aus Helsinki, 22 Jahre alt, ist zum Bouldern hier.
Das ist bodennahes Klettern an Blöcken und Überhängen, das Trumm auf dem Rücken heißt crash pad, eine dicke, gefaltete Schaumstoffmatte für den häufigen Fall des Falles.
Riku zeltet seit zwei Wochen im Garten der Pansiyon Karia für umgerechnet zwei Euro pro Tag.

WC- und Duschbenutzung inklusive.
Es sei fantastisch, sagt Riku, er stehe auf und habe vor dem Zelt forty problems – womit er Boulder meint, geeignete Felsblöcke.
Der Finne hat in einem Internetforum für Kletterer von Kapikiri erfahren.
Im Karia logiert außer ihm ein junger Türke, der an einem Kletterführer schreibt.
Und, werden danach viele kommen? Riku hebt wortlos seine mageren Schultern.

»Jedenfalls gut«, sagt er dann und grinst mich von der Seite an, »dass zu deiner Zeit die Hippies dieses Paradies nicht entdeckt haben.« Okay, Riku.

Da hast du wohl recht.

Kapikiri!

Am ersten Morgen weckten mich Hahnenschrei (siehe oben) und Esel-Iah.
Aus dem rückwärtigen Badfenster meiner Pansiyon schaute ich direkt in die schönen Augen einer schmalen braunen Kuh, die vor dem angrenzenden Stall ihr Kälbchen in der Morgensonne leckte.
Die Kuh brummte mütterlich, das Kälbchen wirkte hochzufrieden, eine fast kugelrunde Bäuerin in bunten Pluderhosen legte Grünzeug hin, und seither, glaube ich, ist ein erfreutes Dauerlächeln im bukolischen Kapikiri nicht mehr von mir gewichen.

Das Wasser im See ist glasklar. »Du kannst es trinken«, sagt Ümit

In Mithats Hose quakt jetzt ein Frosch.
Wir sitzen immer noch auf dem Felsblock.
Mithat greift in die Schenkeltasche, holt sein Handy heraus und grinst kurz zu mir herüber, als wolle er sagen: Da schaust du, Froschquaken als Klingelton!
Sein Freund Ümit ist dran. Ümit soll uns später mit seinem Fischerkahn aufnehmen und über den See zurück nach Kapikiri bringen, aber bis dahin haben wir noch etliche Kilometer zu Fuß vor uns.
Wir gehen weiter nach Westen und halten uns abwärts.
Ich finde eine Stachelschweinborste im Gebüsch, halb schwarz, halb weiß, extrem spitz und 20 Zentimeter lang.
Es ist gar nicht einfach, sie im Rucksack zu verstauen.
Nachdem die Macchia hinter uns liegt, kommen wir auf Feldwegen gut voran.

Anemonen und Margeriten bilden weiße Teppiche unter den Olivenbäumen, dunkelrote Blumen (Mohn?) setzen Tupfer hinein.
Bienlein summen, Schwälblein zwitschern, lind geht die Luft – türkisch Frühlüng, ja, du büst’s!
Manchmal schaut Mithat allerdings finster zu Boden und schimpft.
Orchideenräuber! Sie graben um diese Zeit die Zwiebeln aus, die zu einem regionalen Traditionsgetränk vergoren werden.
Mithat schließt sorgfältig die offenen Stellen in der Grasnarbe.

Ein Dutzend Arten wilder Orchideen blüht zwischen März und Mai am Bafa Gölü, sieben von ihnen kann Mithat mir während unserer Wanderung zeigen.
Er ist stolz und kennt ihre Namen, ich bin botanisch ahnungslos und überrascht, wie unprätentiös diese zierlichen Pflanzen sind.
Eine öffnet in ihrer lila Blüte ein schwarz-weißes Mäulchen, eine andere trägt rote Bommelchen, alle wachsen versteckt.
Ich kannte Orchideen bisher nur als eitle Solistinnen im Blumenladen, groß und knallig gezüchtet.

Von hinten nähert sich Getrappel, ein Reiter überholt uns.
Es ist ein weißhaariger Mann mit Schirmkappe und abgewetztem grauem Anzug, er sitzt auf einem Sattel aus Holz und Säcken, Zügel und Steigbügel bestehen aus groben Seilen.
Das Pferd ist ein kleiner, stämmiger, hübsch gelockter Schimmel, Ross und Reiter wirken ausgesprochen gut gelaunt.
Bauer Abdullah Özdan, 72, ist unterwegs zu seinen Oliven, er will Triebe von gesunden alten Bäumen auf junge wild gewachsene pfropfen, oder war das umgekehrt?
Mithat geht neben dem Schimmel her, redet und lacht mit dem Bauern, den er höflich »Effendi« nennt.

Ab und zu übersetzt er für mich nach hinten:
Eine Tochter von Herrn Özdan ist in London verheiratet, aber er selbst war dort noch nie im Leben, »natürlich nicht«.
Der Hintern vom Schimmel, denke ich, ist nicht so ganz schimmelweiß, eher so ’n bisschen mistbraun.
Aber dafür, Herr Özdan, ist Ihr Sakkorücken auch schön voll weißer Pferdehaare.
Dann trappeln sie davon. »Es ist eine Stute«, sagt Mithat, »zwölf Jahre alt.
Ich hab ihn gefragt, ob er sie verkauft.« Und? »Niemals.
Aber die Frage hat ihn sehr gefreut.«

Der ganze Bafa-See und das Bauernland an seinen Ufern gehörten noch vor 35 Jahren zum Privatbesitz eines mächtigen türkischen Grundherrn.
»Mein Vater war bei den Linken, die dagegen gekämpft haben«, sagt Mithat – so lange, bis Ministerpräsident Ecevit 1977 dem Besitzer das Latifundium entwand.
Am Westende des Sees, wo ihn ein mit Eukalyptusbäumen bestandener Damm zum Mäander-Delta hin abschließt, wo Flamingos im Seichten staksen und die Luft schon nach Meer schmeckt, dort hat Mithat Serçin mir vor zwei Tagen den Ort Serçin gezeigt.
Einst halfen da Studenten den armen Pachtbauern, heute trinken am Dorfplatz müßige Männer Tee neben einem eleganten Schwarz-Weiß-Poster von Kemal Atatürk.

Dessen schwungvoll kalligrafiertes Diktum übersetzt Mithat so:
»Der Dörfler ist der Herr des Landes.« Jawoll. Gut so.
Wir tranken Çay mit den Männern.
Später aßen wir Kokoreç, gerösteten Schafdarm, unter Männern.
Irgendwann fragte ich Mithat: »Warum seh ich nie Frauen in euren Lokalen?«
Er schaute mich überrascht an: »Das geht nicht, auf dem Dorf.«
Dann dachte er nach und sagte: »Die Frauen haben viel zu tun.«

Ganz schwach tönt jetzt von Osten Dieseltuckern übers Wasser – Freund Ümit naht mit dem Kahn. Altes Boot, alter Motor, junger Bootsmann.
Ümit ist Mitte zwanzig, er hat scharf geschnittene Züge, braune Haut und kurze schwarze Haare, so dicht und glatt wie ein Maulwurfspelz.
Gegen schneidenden Wind und schaumige Wellenkronen steuert er uns über den See bis zur kleinen »Vogelinsel« nah dem Nordufer, wo Hunderte Reiher, Kraniche, Kormorane aus ihren Nist- und Wohnbäumen auffliegen.
Ümit stellt den Diesel ab und ankert 30 Meter vor der Insel.

Die Vögel beruhigen sich schnell, als ob sie wüssten, dass niemand ihr Refugium betreten darf.
Wir picknicken schaukelnd im Kahn.
Ümits Mutter hat dem Sohn drei schmalzgebackene Fladen mitgegeben, sehr gut, mit körnigem Frischkäse und Lauchzwiebeln gefüllt, einen Fladen für jeden.
Sein Vater, dem das Boot gehört, ist einer der Fischer von Kapikiri.
Ümit hat Steuerwesen studiert, fand bisher keinen Job und erwägt nun, ein Teehaus aufzumachen.
Ümit heißt auf Türkisch Hoffnung.

Tei III

Von Rüdiger Dilloo Zeit Online Reisen.

Reise zu Bafa See Teil II

11 Januar 2011

Kapikiri!
Am ersten Morgen weckten mich Hahnenschrei (siehe oben) und Esel-Iah.
Aus dem rückwärtigen Badfenster meiner Pansiyon schaute ich direkt in die schönen Augen einer schmalen braunen Kuh, die vor dem angrenzenden Stall ihr Kälbchen in der Morgensonne leckte.
Die Kuh brummte mütterlich, das Kälbchen wirkte hochzufrieden, eine fast kugelrunde Bäuerin in bunten Pluderhosen legte Grünzeug hin, und seither, glaube ich, ist ein erfreutes Dauerlächeln im bukolischen Kapikiri nicht mehr von mir gewichen.

Das Wasser im See ist glasklar. »Du kannst es trinken«, sagt Ümit.

In Mithats Hose quakt jetzt ein Frosch.
Wir sitzen immer noch auf dem Felsblock.
Mithat greift in die Schenkeltasche, holt sein Handy heraus und grinst kurz zu mir herüber, als wolle er sagen: Da schaust du, Froschquaken als Klingelton!
Sein Freund Ümit ist dran. Ümit soll uns später mit seinem Fischerkahn aufnehmen und über den See zurück nach Kapikiri bringen, aber bis dahin haben wir noch etliche Kilometer zu Fuß vor uns.
Wir gehen weiter nach Westen und halten uns abwärts.
Ich finde eine Stachelschweinborste im Gebüsch, halb schwarz, halb weiß, extrem spitz und 20 Zentimeter lang.
Es ist gar nicht einfach, sie im Rucksack zu verstauen.
Nachdem die Macchia hinter uns liegt, kommen wir auf Feldwegen gut voran.

Anemonen und Margeriten bilden weiße Teppiche unter den Olivenbäumen, dunkelrote Blumen (Mohn?) setzen Tupfer hinein.
Bienlein summen, Schwälblein zwitschern, lind geht die Luft – türkisch Frühlüng, ja, du büst’s!
Manchmal schaut Mithat allerdings finster zu Boden und schimpft.
Orchideenräuber! Sie graben um diese Zeit die Zwiebeln aus, die zu einem regionalen Traditionsgetränk vergoren werden.
Mithat schließt sorgfältig die offenen Stellen in der Grasnarbe.

Ein Dutzend Arten wilder Orchideen blüht zwischen März und Mai am Bafa Gölü, sieben von ihnen kann Mithat mir während unserer Wanderung zeigen.
Er ist stolz und kennt ihre Namen, ich bin botanisch ahnungslos und überrascht, wie unprätentiös diese zierlichen Pflanzen sind.
Eine öffnet in ihrer lila Blüte ein schwarz-weißes Mäulchen, eine andere trägt rote Bommelchen, alle wachsen versteckt.
Ich kannte Orchideen bisher nur als eitle Solistinnen im Blumenladen, groß und knallig gezüchtet.

Von hinten nähert sich Getrappel, ein Reiter überholt uns.
Es ist ein weißhaariger Mann mit Schirmkappe und abgewetztem grauem Anzug, er sitzt auf einem Sattel aus Holz und Säcken, Zügel und Steigbügel bestehen aus groben Seilen.
Das Pferd ist ein kleiner, stämmiger, hübsch gelockter Schimmel, Ross und Reiter wirken ausgesprochen gut gelaunt.
Bauer Abdullah Özdan, 72, ist unterwegs zu seinen Oliven, er will Triebe von gesunden alten Bäumen auf junge wild gewachsene pfropfen, oder war das umgekehrt?
Mithat geht neben dem Schimmel her, redet und lacht mit dem Bauern, den er höflich »Effendi« nennt.

Ab und zu übersetzt er für mich nach hinten:
Eine Tochter von Herrn Özdan ist in London verheiratet, aber er selbst war dort noch nie im Leben, »natürlich nicht«.
Der Hintern vom Schimmel, denke ich, ist nicht so ganz schimmelweiß, eher so ’n bisschen mistbraun.
Aber dafür, Herr Özdan, ist Ihr Sakkorücken auch schön voll weißer Pferdehaare.
Dann trappeln sie davon. »Es ist eine Stute«, sagt Mithat, »zwölf Jahre alt.
Ich hab ihn gefragt, ob er sie verkauft.« Und? »Niemals.
Aber die Frage hat ihn sehr gefreut.«

Der ganze Bafa-See und das Bauernland an seinen Ufern gehörten noch vor 35 Jahren zum Privatbesitz eines mächtigen türkischen Grundherrn.
»Mein Vater war bei den Linken, die dagegen gekämpft haben«, sagt Mithat – so lange, bis Ministerpräsident Ecevit 1977 dem Besitzer das Latifundium entwand.
Am Westende des Sees, wo ihn ein mit Eukalyptusbäumen bestandener Damm zum Mäander-Delta hin abschließt, wo Flamingos im Seichten staksen und die Luft schon nach Meer schmeckt, dort hat Mithat Serçin mir vor zwei Tagen den Ort Serçin gezeigt.
Einst halfen da Studenten den armen Pachtbauern, heute trinken am Dorfplatz müßige Männer Tee neben einem eleganten Schwarz-Weiß-Poster von Kemal Atatürk.

Dessen schwungvoll kalligrafiertes Diktum übersetzt Mithat so:
»Der Dörfler ist der Herr des Landes.« Jawoll. Gut so.
Wir tranken Çay mit den Männern.
Später aßen wir Kokoreç, gerösteten Schafdarm, unter Männern.
Irgendwann fragte ich Mithat: »Warum seh ich nie Frauen in euren Lokalen?«
Er schaute mich überrascht an: »Das geht nicht, auf dem Dorf.«
Dann dachte er nach und sagte: »Die Frauen haben viel zu tun.«

Ganz schwach tönt jetzt von Osten Dieseltuckern übers Wasser – Freund Ümit naht mit dem Kahn. Altes Boot, alter Motor, junger Bootsmann.
Ümit ist Mitte zwanzig, er hat scharf geschnittene Züge, braune Haut und kurze schwarze Haare, so dicht und glatt wie ein Maulwurfspelz.
Gegen schneidenden Wind und schaumige Wellenkronen steuert er uns über den See bis zur kleinen »Vogelinsel« nah dem Nordufer, wo Hunderte Reiher, Kraniche, Kormorane aus ihren Nist- und Wohnbäumen auffliegen.
Ümit stellt den Diesel ab und ankert 30 Meter vor der Insel.

Die Vögel beruhigen sich schnell, als ob sie wüssten, dass niemand ihr Refugium betreten darf.
Wir picknicken schaukelnd im Kahn.
Ümits Mutter hat dem Sohn drei schmalzgebackene Fladen mitgegeben, sehr gut, mit körnigem Frischkäse und Lauchzwiebeln gefüllt, einen Fladen für jeden.
Sein Vater, dem das Boot gehört, ist einer der Fischer von Kapikiri.
Ümit hat Steuerwesen studiert, fand bisher keinen Job und erwägt nun, ein Teehaus aufzumachen.
Ümit heißt auf Türkisch Hoffnung.

Tei II

Von Rüdiger Dilloo Zeit Online Reisen.

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