Türkei im Wachstumsrausch

29 Juli 2010 von Bernd Dittmann Keine Kommentare »

Die türkische Wirtschaft gibt Vollgas. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bereits im letzten Quartal des Krisenjahres 2009 um sechs Prozent gewachsen war, legte es in den ersten drei Monaten 2010 gegenüber dem Vorjahr um 11,7 Prozent zu.
Damit dürfte das Land das bisher von der Regierung bei 3,5 Prozent angesetzte Wachstumsziel deutlich übertreffen.
Der Internationale Währungsfonds setzte seine Wachstumsprognose bereits auf 6,3 Prozent herauf, die Industrieländerorganisation OECD stellt der Türkei ein Plus von 6,8 Prozent in Aussicht.
Der Aufschwung stützt die Ambitionen des islamisch-konservativenPremiers Tayyip Erdogan, die Türkei zur Führungsmacht im Nahen Osten aufzubauen.

2009 war die türkische Wirtschaftsleistung infolge der globalen Krise um
4,7 Prozent eingebrochen.
Von größeren Verwerfungen blieb das Land allerdings verschont. Vor allem das Bankensystem erwies sich als stabil.

Kein Kreditinstitut rutschte in die roten Zahlen oder musste Staatshilfen
in Anspruch nehmen – ein Ergebnis der strikten Regulierung des Bankensektors, die nach der türkischen Finanzkrise von 2001 auf Druck des Internationalen Währungsfonds umgesetzt wurde.
Von der Rezession blieb die Türkei zwar nicht verschont, aber um gegenzusteuern, senkte die Zentralbank die Zinsen auf ein historisches Tief, und der Finanzminister nahm die Verbrauchsteuern auf  Autos und Hausgeräte zurück.
Das kurbelte die Binnennachfrage an.
Ein weiter Aktivpunkt ist der Tourismus – in diesem Jahr wird eine starke
Steigerung gegenüber den Krisenjahren 2008/2009 erwartet.

Wichtigste Säule des Aufschwungs ist aber der Export, der im ersten Quartal um 22,4 Prozent zulegte. Wichtigster Handelspartner sind die EU-Staaten, wo die türkischen Exporteure 40 Prozent ihrer Waren absetzen.
Neben traditionellen Exportgütern wie Textilien und Nahrungsmitteln liefert die Türkei zunehmend Autos, Kfz-Komponenten, Hausgeräte und Unterhaltungselektronik nach Europa.

Eine immer größere Rolle spielen aber die Exportmärkte im Nahen Osten.
Der Handel der Türkei mit der arabischen Welt hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt, und er soll weiter überproportional wachsen:
Mit Syrien, dem Libanon und Jordanien verhandelt Ankara über die Bildung
einer Freihandelszone. Auch der Handel mit Iran wächst stark – trotz der Uno-Sanktionen.
Das Land ist traditionell der zweitwichtigste Energielieferant der Türkei nach Russland, aber auch ein zunehmend wichtiger Absatzmarkt.
Das erklärt, warum die Türkei jetzt im Weltsicherheitsrat gegen die
neuen Sanktionen votierte.
Im Westen werden die Nahost-Allianzen der Türkei nicht gern gesehen. So warf US-Verteidigungsminister Robert Gates den Europäern vor, die Türkei nach Osten zu treiben, weil sie dem Land in den Beitrittsverhandlungen die kalte Schulter zeigten.

Ein Artikel von Tuerkisjournal Alanya.

Zauberhafte Ägäis-Küste.

13 Juli 2010 von Bernd Dittmann Keine Kommentare »

Die türkische Ägäis-Küste ist ein El Dorado für Badeurlauber und Wassersportler. Orientalische Atmosphäre liegt in der Luft und versunkene Kulturen haben ihre Spuren hinterlassen. Beste Voraussetzungen für einen Traum-Urlaub.
 
Zahllose Buchten und Halbinseln bestimmen das Bild der stark zerklüfteten türkischen Ägäisküste. Bekannt ist die Region für ihr strahlend blaues Meerwasser und die vielen Sport- und Freizeitmöglichkeiten.
Es gibt hier herrliche Strände mit allem, was das Urlauberherz begehrt: neben den pulsierenden Ferienorten finden sich verträumte, idyllische Badebuchten. Da die Ägäisküste zu den meist besuchten Gegenden der Türkei gehört, gibt es Hotels und Pensionen für jeden Geldbeutel.
Pinienwälder, bizarre Felsgebilde und Olivenhaine säumen den Küstenverlauf. Besonders im nördlichen Ägäisteil gibt es noch viel Ursprünglichkeit zu entdecken.
Für Kulturliebhaber und Geschichtsbegeisterte ist das frühere „Kleinasien“ ohnehin ein Muß. Auf Schritt und Tritt begegnet man den imposanten Überresten antiker Stätten. Die bekannteste davon ist zweifellos Troja.

Ein besonderes Vergnügen: Surfen vor den bizarren Felsengräbern von Kaunos.

Das legendäre Troja.
 
Die Ausgrabungsstätte von Troja liegt nur eine Fahrstunde von Çanakkale entfernt, von wo aus täglich Minibusse fahren. Bei der Besichtigung der antiken Stadt sollte man nicht auf eine Führung verzichten!
Die Grundzüge der Siedlung sind für das ungeübte Auge viel schwerer zu erkennen als beispielsweise in Bergama und Ephesus. Neun verschiedene Trojas wurden jeweils auf den Ruinen der älteren Schicht erbaut!
Der Hobbyarchäologe Schliemann stiftete mit seinen unsystematischen Ausgrabungen zusätzliche Verwirrung.

In der sechsten Siedlungsschicht vermutet man heute das von Homer besungene Troja, während der von Schliemann entdeckte „Schatz des Priamos“ zur zweiten Schicht gerechnet wird.
Der legendäre Schatz ist seit dem 2. Weltkrieg verschollen.
Neben dem eigentlichen Gelände gibt es bei Troja jede Menge Souvenirläden, Imbißstuben, einen großen Parkplatz sowie die Nachbildung des hölzernen Pferdes.
In dem angeschlossenen Museum sind kleinere Fundstücke der alten Stadt zu sehen. Ca. 8 km nordwestlich von Troja, beim Dorf Kumkale, soll sich das Grab des Achilles befinden.
Man erreicht es, wenn man mit dem Auto von Tevtikiye über eine Brücke der Schotterstraße folgt und danach über eine schmale Straße bis zum Schild „Yeniköy“ fährt. Kurz hinter der Abzweigung steht auf einem Hügel eine alte Eiche, die das Grab markieren soll.

Behramkale (Assos): Bunte Mischung aus Alt und Neu.

Ca. 40 km südlich von Troja befindet sich bereits die nächste Sehenswürdigkeit aus dem Altertum: Das kleine Fischerdorf Behramkale liegt hoch über dem Meer neben den Ruinen der antiken Stadt Assos.
 Die Reste dieser Siedlung, die bis ins zweite Jahrtausend v. Chr. zurückgeht, sind relativ gut erhalten. Aristoteles lebte einige Jahre in Assos und gründete hier eine Philosophenschule.
Vom Burgberg hat man einen phantastischen Blick über das Ägäische Meer und die nahegelegene griechische Insel Lesbos (türk. Midilli). Über eine kurvige Straße gelangt man zum kleinen, gemütlichen Hafen, wo sich auch die Übernachtungsmöglichkeiten und ein kleiner Strand befinden.
Da die Hafengegend unter Denkmalschutz steht und nur Restaurierung und stilgerechtes Bauen erlaubt sind, fügen sich die Hotels gut ins Gesamtbild des kleinen Fischerhafens ein.
Mehrere schöne Strände gibt es zu entdecken, wenn man in Richtung Gülpinar fährt.
Die Straße von Behramkale zu dem östlich gelegenen Badeort Küçükkuyu führt ebenfalls an vielen kleinen, einsamen Buchten vorbei. Der Sand- und Kiesstrand des Ortes Küçükkuyu selbst ist zwar recht lang, aber nicht besonders schön und deshalb für einen längeren Urlaubsaufenthalt nicht zu empfehlen. Drei Kilometer nördlich des Städtchens erreicht man über eine Bergstraße einen 250 m hoch gelegenen Zeus-Altar aus römischer Zeit.

Beliebte Badeorte im Norden.
 
Am Ende der tief ins Land einschneidenden Bucht von Edremit befinden sich in unmittelbarer Nähe zwei Badeorte, die besonders bei den Einheimischen sehr beliebt sind: Akçay und Ören.
Akçay liegt direkt an der Straße von Çanakkale nach Izmir. Noch vor einigen Jahren war der Ort ein verschlafenes Fischerdorf, doch inzwischen gibt es unzählige Ferienanlagen und Campingplätze. Der Strand ist zwar nur mäßig attraktiv, dafür herrscht überschäumendes, fröhliches Leben.
Bei der Weiterfahrt nach Ören gelangt man zunächst in den 35 000 Einwohner zählenden Ort Edremit, eine typische türkische Kleinstadt. Zu den wenigen Sehenswürdigkeiten gehört die Kursunlu Camii, eine seldschukische Moschee aus dem Jahr 1241.
Den meisten Reisenden dient das 10 km vom Meer entfernte Edremit jedoch nur als Umsteigstation zu den umliegenden Badeorten. Das schönste Urlaubsstädtchen dieser Bucht ist wohl Ören, mit seinem endlos langen, feinkörnigen und gepflegten Sandstrand.
Viele Unterkunftsmöglichkeiten finden sich in direkter Nähe. Zum Einkaufen begibt man sich von hier aus am besten in den nur 2 km entfernten Nachbarort Burhaniye, zu dem regelmäßige Busverbindungen bestehen. Preiswerte einheimische Küche findet man hier ebenfalls leichter als in Ören.

Heilquellen in der Türkei?

Klingt komisch, ist aber so. Cesme stand nämlich schon aufgrund seiner Heilquellen als Erholungsort bei den alten Römern hoch im Kurs. Viele der dortigen Hotels verfügen über Wellness- und Kureinrichtungen und die herrlichen Sandstrände der Umgebung lassen ein Karibik Feeling aufkommen.

Hier einige physikalische Therapien:
Balno-Therapie: Therapie mit mineralisiertem Thermalwasser
Talasso-Therapie: Therapie mit Meerwasser und Sonneneinstrahlung
Hydro-Therapie: Therapie mit Süßwasser
Speleo-Therapie: Therapie in Höhlen mit Thermalwasser
Peloido-Therapie: Therapie mit Schlamm.

Veranstaltungen in Aspendos im Juli 2010

29 Juni 2010 von Bernd Dittmann 1 Kommentar »

Mit der Verdi-Oper Aida, wird das 17. Internationale Opern und Ballett-Festival in Aspendos eröffnet. Die Aufführungen werden bis zum 1 Juli zu sehen sein.

Den Beginn des diesjährigen Oper und Ballettfestivals in Aspendos macht die Antalya Staatsoper am 8. Juni mit der Verdis- Oper: Aida. Am 11. Juni können die Besucher dann an die drei Musketiere ansehen, gefolgt von Bizet.

Carmen wird am 14. Juni gegeben von der Staatsoper Istanbul.

Das Tokyo Ballet aus Japan wird den Besuchern Mozart vorführen. Don Juan Theodorakis wird griechischen Tanz und Ravels Bolero präsentieren und das alles unter der Leitung von Maurice Bejart, dem weltberühmten Choreographen.

Am 17 Juni, der Beliner Chor Sing Along Turkey wird mit Carmina Burana auftreten und die Staatsoper Makedonien folgt am 23.Juni mit Verdis.”Rigoletto ” Am 26.Juni können die Urlauber Wagners “fliegenden Holländer” in der Version der Izmir Staatsoper in der unvergleichlichen Atmosphäre des Theaters von Aspendos genießen. Den Abschluss macht dieses Jahr am 1. Juli “Barbaros” mit dem zeitgenössischen türkischen Ballet, dass die Geschichte des türkischen Seefahrers und Admirals Barbaros Hayrettin Pascha erzählt. Reservierungen können unter:0090 (0)242 511 42 43 gemacht werden.

Die weltberühmten Tanz-Shows Troya und Fire of Anatolia wieder auf der Bühne in Antalya 

Auch in 2010 werden die Tanzshows von Choreograph Mustafa Erdoðan wieder die Massen begeistern. Zahlreiche Auftritte auf der Bühne der Gloria Aspendos Arena, bieten die Möglichkeit, diese einzigartige Tanzdarbietungen zu besuchen.

So soll es neben dem Mythos-Spektakel “Troya” auch eine Weiterführung von “Fire of Anatolia” geben. Die Tänzer werden wieder einmal mit unglaublich synchron aufgeführten Tanzschritten in fantastischen Kostümen die Zuschauer begeistern.
“Fire of Anatolia” wird überwiegend Dienstags aufgeführt, teilweise auch Freitags.

Die Veranstaltungen laufen bereits seit April und werden noch bis Anfang November weitergeführt. “Troja” wird ab Juli bis September immer Freitags vorgeführt. Beginn der Veranstaltungen ist stets gegen 21.15 Uhr. Die Eintritts-Tickets kann man in vielen Reisbüros der Region (meistens in Verbindung mit Eintritt, Transfer und evtl .Abendessen) finden.

Was nun mit dem Flughafen “Gazipasa”

17 Juni 2010 von Bernd Dittmann Keine Kommentare »

Hamdi Akin, der Vorstandsvorsitzende des international tätigen türkischenFlughafenbetreibers TAV, kündigte anläßlich eines Besuchs in Alanya die Eröffnung des Flughafens Gazipasa für den kommenden Juni an.

Seit langem herbeigesehnt, doch heißumstritten: Die Öffnung des Flughafens Gazipasa für den internationalen Flugverkehr würde, so erwartet man in der Region, Alanya und Umgebung erheblichen Aufschwung verleihen. Zur Zeit leiden die Hotels der Region noch an der langen bis über 2 Stunden dauernden Anreise vom Flughafen Antalya.

Über die geplante internationale Nutzung des Flughafens herrscht indessen trotz häufiger Ankündigungen, man werde ihn bald eröffnen, weiterhin Unklarheit: Kritiker bezeichnen es aufgrund der Nähe des Flughafens zu hohen Bergen als unmöglich, ihn für größere Flugzeuge zu nutzen. Gleichwohl kündigte nun der Vorstandsvorsitzende der Betreiberfirma TAV, die die Ausschreibung für den Betrieb des Flughafens für sich entscheiden konnte (wir berichteten), auf Einladung der IHK Alanya zu Besuch vor Ort, an, daß ab kommendem Juni Flugzeuge vom Typ Airbus A-319 auf dem Flughafen landen werden:  „Ich kann das mit gutem Gewissen sagen,“ teilte Hamdi Akin der türkischen Presse mit.

„Zuerst werden Airbus-Maschinen vom Typ A-319 problemlos landen können. Nächstes Jahr wollen wir dann dafür sorgen, daß auch Boeing 747 landen können. Dann sind die Probleme bewältigt. Zur Zeit haben wir eine Pistenlänge von 1.900 Metern. Sobald wir einige Probleme mit Enteignungen gelöst haben werden, werden wir die Piste auf 2.400 Meter verlängern. Wir werden den Flughafen auch mit den neuesten technischen Geräten ausstatten.

“Auf widrige Winde befragt, die zur Stornierung von Flügen führen könnten, antwortete Hamdi Akin: „Falls einmal für 3 bis 5 Tage pro Jahr harte Winde aus einer ungünstigen Richtung wehen sollten, müßte man die Flüge für kurze Zeit aussetzen. Wir haben die Wetterberichte der letzten 10 Jahre studiert und sind dabei nicht auf solche Fälle gestoßen.

Das kommt ja ansonsten auch an anderen Flughäfen vor, auch auf dem Ankaraner Flughafen Esenboga gibt es Tage, an denen Flugzeuge für einige Stunden nicht landen können. Das ist kein Hindernis, den Flughafen Gazipasa in Betrieb zu nehmen.“ 

Akin teilte zusätzlich seine Einschätzung mit, daß der Flughafen Gazipasa keine Konkurrenz für den Flughafen Antalya darstellen werde, da er seine eigenen Passagiere generieren werde. Akin zufolge werden in Gazipasa nach der Eröffnung 2 Flugzeuge pro Stunde landen können.
Laut unseren Informationen, sollte am 15.06.2010, dass erste Flugzeug mit Urlaubern landen, aber es kam keines!
Wir werden Sie weiter auf dem Laufenden halten.

26 Mai 2010 von Bernd Dittmann Keine Kommentare »

“Liebe Griechen!
Teil: 2
Uns droht die Inflation. Das bedeutet: was deutsche Sparer auf dem Sparbuch oder in Lebensversicherungen für die Zukunft zurückgelegt haben, wird immer weniger wert. Wegen Euch. Solche Gedanken sind Euch natürlich fremd, denn sparen oder investieren ist nicht Euer Ding.
Ihr haut die Euros lieber raus. In der EU seid Ihr Griechen das Volk, das von seinem Geld den größten Anteil  für den Konsum verprasst.

Die Regierungschefs der EU haben zwar beschlossen, dass Ihr keine direkten Finanzhilfen bekommen sollt. Erst mal. Doch Ihr braucht Hilfe. Und in der EU bedeutet Hilfe am Ende immer Geld, genauer: unser Geld.

So langsam wird uns Deutschen klar: Zuerst mussten wir die Banken retten, jetzt müssen wir Euch Griechen retten und schließlich alle Länder mit einer Schweinewirtschaft – die “PIIGS”, Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien. Ein Staatsbankrott eines dieser Länder, darin sind sich die Experten ausnahmsweise einig, wäre eine Tragödie, die selbst die Bankenkrise wie ein Lustspiel erscheinen ließe.

Kluge deutsche Staatsrechtler haben schon vor der Einführung des Euro gewarnt: Die Wirtschaftsunion kann ohne die politische Union nicht funktionieren. Sie hatten recht. Jetzt erkennen wir das dramatische Demokratie-Defizit. Wir Deutschen sind von den Entscheidungen der Regierung Griechenlands abhängig. Aber wir können sie nicht wählen.
Ihr Griechen könnt sie wählen, aber Ihr habt ganz andere Interessen. Wir wollen, dass Euer Ministerpräsident Georgios Papandreou sein Sparprogramm durchzieht. Mindestens.
Besser wär’s, wenn er beim Reformieren noch einen Zahn zulegte.
Aber Ihr wollt das ganz offensichtlich nicht. Ihr macht, was Ihr immer macht: Ihr streikt. Letzte Woche der öffentliche Dienst, nächste Woche alle, Generalstreik. Liebe, teure Griechen, wenn Ihr nächste Woche auf die Straße geht, dann streikt, dann demonstriert, dann protestiert Ihr nicht gegen Eure Regierung, sondern gegen uns. Dem Zorro, der Euch stets gerettet hat und weiter retten soll, dem versetzt Ihr einen Tritt zwischen die Knie.

Liebe griechische Finanzbeamte, geht nächste Woche bitte nicht streiken, sondern treibt endlich mal die Steuern Eurer Millionäre ein, von denen Ihr bislang fürs Wegschauen so fürstlich entlohnt werdet.

Liebe griechische Ärzte, geht nächste Woche bitte nicht streiken, sondern behandelt Eure Patienten. Von jetzt an, ohne vorher um einen Geldumschlag zu bitten. Und dann versteuert einfach Euer Einkommen. Ja, dann könnt Ihr Euch den nächsten Porsche erst ein Jahr später bestellen. Ihr werdet es überleben.

Liebe Rentner Griechenlands, wenn bei uns jemand sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, bekommt er nicht mal 40 Prozent seines durchschnittlichen Einkommens als Rente. Damit sind wir auf dem viertletzten Platz der OECD-Länder. Und wer ist auf Platz eins?
 
Richtig: Ihr. Über 95 Prozent Eures durchschnittlichen Einkommens gönnt Ihr Euch als Rente. Um das hinzukriegen, greift Ihr wieder in die Trickkiste: Ihr bezieht einfach die Rentenhöhe nicht aufsganze Leben, sondern nur auf die letzten drei bis fünf Arbeitsjahre. Darum ist es bei Euch üblich, dass der Arbeitgeber den Lohn am Ende noch mal kräftig erhöht.
Von dem Geld, mit dem wir Euch fast 30 Jahre lang gesponsert haben, gönnt Ihr Euch eine komfortablere Altersversorgung, als wir uns leisten können. Findet Ihr das gerecht? Also, liebe Rentner in Griechenland: Ihr seid die Generation, die diese Misere verursacht hat. Jetzt haltet mal die Füße still, geht nicht demonstrieren, und lasst Eure Regierung die Sparpläne durchziehen.
Und, liebe Bürger Griechenlands, redet Euch nicht damit heraus, Eure Politiker seien allein schuld an der Katastrophe. Ihr habt doch die Demokratie erfunden und solltet wissen, dass Ihr, das Volk, regiert und damit verantwortlich seid. Niemand zwingt Euch, Steuern zu hinterziehen, Schmiergelder anzunehmen, gegen jede vernünftige Politik zu streiken und
korrupte Politiker zu wählen. Politiker sind Populisten. Die machen genau, was Ihr wollt.
Sicher werdet Ihr jetzt einwenden: Ihr Deutschen, Ihr seid doch auch nicht viel besser. Stimmt.
Ein Rentensystem, dem kaum einer noch traut, Beamtenpensionen, von denen niemand weiß, wie sie in der Zukunft bezahlt werden sollen, ein Steuersystem, das so aussieht, als hätten erfahrene Hinterzieher es sich ausgedacht, und vor allem ein Schuldenberg, der irgendwann ins Rutschen gerät und alles unter sich begräbt – genau diese Probleme haben wir auch. Und Ihr seid uns auf diesem Pfad der Untugend nicht so weit voraus, wie viele glauben.
Früher habt Ihr Griechen uns den Weg gewiesen, habt der Welt die Demokratie, die Philosophie und das erste Verständnis fü Nationalökonomie beigebracht. Jetzt weist Ihr uns wieder den Weg. Nur ist es diesmal der Irrweg. Da, wo Ihr seid, geht’s nicht weiter.

Herzliche Grüße,
Walter Wüllenweber

Quelle: Ein Beschwerdebrief von Stern-Autor WALTER WÜLLENWEBER

Für meine Freunde-keinen “Ouzo”

19 Mai 2010 von Bernd Dittmann Keine Kommentare »

“Liebe Griechen!
Teil: 1
Kennt Ihr das bei Euch auch, eine Tante, die einem die ganze Kindheit und Jugend hindurch das Sparschwein füttert? Beim ersten Fahrrad, dem ersten Radio, der ersten Urlaubsreise – immer gibt sie ein paar Scheine dazu. Und dafür verlangt sie nichts weiter als ab und zu mal ein freundliches Dankeschön. Liebe Freunde, dies ist ein Brief von Eurer Geldtante.
Keine Angst, Ihr müsst nicht Danke sagen. Das Einzige, was wir uns wünschen, ist: Versetzt Euch mal in unsere Lage.

Seit 1981, seit 29 Jahren, gehören wir zur selben Familie, zur EU. Kein anderes Familienmitglied hat in dieser Zeit so viel Geld in die Gemeinschaftskasse gesteckt wie wir, nämlich netto rund 200 Milliarden Euro. Und pro Nase hat kaum einer so viel bekommen wie
Ihr, zusammen netto fast 100 Milliarden. Rund die Hälfte also von dem, was wir in den EU Topf gekippt haben, habt Ihr mit großer Kelle abgeschöpft. Oder anders ausgedrückt: Rein rechnerisch haben wir Deutschen mit den Jahren jedem von Euch Griechen, vom Säugling bis zum Greis, über 9000 Euro geschenkt. Einfach so. War doch nett, oder? Freiwillig hat wohl noch nie ein Volk ein anderes über einen so langen Zeitraum so großzügig unterstützt.
Ihr seid fürwahr unsere teuersten Freunde.

Wie es uns dabei ging, in all den Jahren, das habt Ihr nie gefragt. Ich vermute, auch heute brennt Ihr nicht gerade darauf, etwas über unsere Sorgen zu erfahren. Ich erzähle es Euch trotzdem:

Unsere Straßen sind so löchrig wie antike Bauwerke, weil uns das Geld für die
Instandhaltung fehlt. Bibliotheken und Schwimmbäder werden geschlossen.
Manche Städteschalten nachts jede zweite Straßenlaterne aus, weil sie die Stromrechnung nicht bezahlen können. Im Gegensatz zu Euren steigen unsere Löhne seit der Einführung des Euros praktisch gar nicht mehr. Und jetzt sollen wir auch noch Euch Griechen retten.

Die Sorgen um Euch, die haben uns gerade noch gefehlt.

Ihr habt Euch unser Misstrauen redlich verdient: Im Sommer fackelt Ihr regelmäßig dieses schöne Land ab, das Gott Euch geschenkt hat Und dann ruft Ihr nach unserer Feuerwehr, weil Ihr es nicht allein gelöscht kriegt. Ihr wollt alle in den öffentlichen Dienst, aber keiner will Steuern zahlen.
Wenn auch nur ein Teil der Berichte stimmt, die wir in den vergangenen
Wochen lesen mussten, dann seid Ihr offenbar nur bereit zu arbeiten, wenn Ihr dafür Schmiergeld bekommt. Vor allem Eure Ärzte und das Krankenhauspersonal langen kräftig zu.
Ihr betrügt Euch also gegenseitig, wo Ihr nur könnt. Das kann uns egal sein. Doch Ihr betrügt auch uns. Seit vielen Jahren. Das ist uns nicht egal.

Ihr kassiert für mehr Olivenbäume EU-Subventionen, als in Euer Land passen. Offenbar versteht Ihr doch was von Buchführung, denn um die Stabilitätskriterien für den Euro zu erfüllen, habt Ihr Eure Bücher so systematisch und geschickt gefälscht, dass die Brüsselernichts gemerkt haben.
In Wahrheit habt Ihr den Euro nie verdient. Trotz Eurer  erschwindelten Daten ist es Euch seit der Einführung des Euro noch nie gelungen, die Stabilitätskriterien zu erfüllen. Um Eure Wirtschaft größer erscheinen zu lassen, habt Ihr Euch 2006 einen hübschen Taschenspielertrick einfallen lassen und kurzerhand die Erlöse aus Geldwäsche, Rauschgifthandel und Schmuggel in die jährliche Wirtschaftsleistung Eurer stolzen Nation eingerechnet.

Über Jahrzehnte mehr Geld ausgeben, als man sich erarbeitet, wie selbstverständlich auf Kosten von anderen zu leben, laufend betrügen und tricksen – das kann nicht ewig gut gehen.
Irgendwann bricht das Kartenhaus zusammen. Irgendwann ist jetzt. Streng genommen seid Ihr pleite.

Macht Euch keine Illusionen. Wenn Angela Merkel verspricht, “Griechenland wird nicht alleingelassen”, dann geht es unserer Kanzlerin und uns Deutschen nicht mehr um Euch Griechen.

Unsere Sorge gilt allein unserer eigenen Zukunft. Das Unglück ist nur: Wir sind an Euch gekettet. Wenn Ihr untergeht, zieht Ihr uns mit unter Wasser. Zum Beispiel durch die 300 Milliarden Schulden, die Ihr mit den Jahren aufgetürmt habt. Rund 30 Milliarden davon gehören den Sparern bei deutschen Banken, in Form von Staatsanleihen. Ob Ihr das jemals zurückzahlen werdet?
Euretwegen geht der Euro in die Knie.

Herzliche Grüße,
Walter Wüllenweber

Quelle: Ein Beschwerdebrief von Stern-Autor WALTER WÜLLENWEBER

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